Gedanken für den 01.11.2024

Das Neue und das Alte

Der Kopf will das Neue. Unsere Augen brauchen immer neue Reize und Bilder. Der Verstand will immer Neues erkennen und weiter forschen. Menschen wollen immer Neues erfahren, anderes erleben, immer das Fremde erforschen und Ungewohntes erproben. Es ist in uns eine tiefe Sehnsucht nach Aufbruch und Abenteuer. Das Fremde und Ferne, das Neue und Unbekannte lockt. Fernweh lässt die Menschen reisen und rasen, aufbrechen und unterwegs sein. Der Kopf will das Neue.

Das Herz will das Alte. Ganz tief in uns wohnt neben der Neugier auch die Sehnsucht nach dem Gewohnten, Vertrauten und Bekannten. Kinder wollen immer dieselben Geschichten, Riten, Bräuche und Abläufe. Menschen haben Lust am Geprägten und Verlässlichen. Wiederkehr schafft Frieden. Neben dem unwiderstehlichen Drang, die Welt zu erobern, liegt das Verlangen, immer dasselbe aus uralten Formen zu bewahren. Neben dem Fernweh wohnt das Heimweh. Wir wollen raus in die Ferne und zugleich rein in das Gewohnte, Liebgewordene und Vertraute. Wir brauchen für unser Herz den Ruheort und das Gehäuse aus festen Formen und immer gleichen Abläufen. Wir sehnen uns nach gewohnten Gaben, nach vertrauten Zeichen, nach bekannten Liedern, nach verlässlichen Grenzen, nach geprägten Worten, nach festen Zeiten. Der Kopf will das Neue. Das Herz will das Alte.

So wird unser Leben eine wunderbare Spannung aus Aufbruch und Heimkehr, aus Fernweh und Heimweh, aus Bewegung und Ruhe sein. Und auch unser Glaube wird eine gesunde Mischung aus Wagnis und Verlässlichem, aus Loslassen und Festhalten, aus Losgehen und Bleiben, aus Veränderung und Bewahrung sein.

"Du aber bleibe in dem, was du gelernt hast und dir vertraut ist!"

(2. Timotheus 3,14)

"Lasset uns wachsen in allen Stücken ... Erneuert euch aber im Geist eures Gemüts und zieht den neuen Menschen an, der nach Gott geschaffen ist!"

(Epheser 4,15.23f)



Axel Kühner "Überlebensgeschichten für jeden Tag"
© & 1991 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 21. Auflage
2018
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages
Quelle: www.miriam-stiftung.de