Gedanken für den 08.10.2024

Was hast du gemacht mit deinem Leben?

In dem Roman von Carl Zuckmayer "Der Hauptmann von Köpenick" gibt es eine eindrückliche Szene, in der der aus der Haft entlassene Vogt bei seinem Schwager Unterschlupf findet. Die beiden Männer unterhalten sich nun über ihr Leben: "Und denn, denn stehste vor Gott, dem Vater. Und der fragt dir ins Jesichte: ‚Wat haste jemacht mit dein Leben?' Und da muß ick sagen: ‚Fußmatten, die hab ick leflochten im Gefängnis!' Aber Gott sagt dir: ,Jeh wech!' sagt er. ‚Ausweisung’ sagt er. ‚Dafür hab ick dir det Leben nicht jeschenkt. Det biste mir schuldig. Wo ist et? Wat hast mit jemacht?’"

Was haben wir mit unserem Leben gemacht? Gott wird uns fragen, was wir mit unserer Zeit, Kraft, Begabung gemacht haben. Was erwartet Gott von uns, und was sind wir ihm schuldig? Gott fragt letztlich nicht nach Leistung und Erfolg. Er fragt nach Liebe und Vertrauen. Wir sind Gott nur eines schuldig, dass wir seine Liebe, seine Gabe, sein uns anvertrautes Leben mit ihm gelebt und erfüllt haben. Gott möchte uns Leben schenken, und er erwartet, dass wir es empfangen und ausdrücken.

Das Leben Gottes besteht in drei Stufen. Einmal das irdische Leben, das wir aus einer Mutter empfangen. Das natürliche Leben ist eine wunderbare Gabe Gottes. Aber es ist gezeichnet und versehrt durch menschliche Sünde. Darum bedarf es der Erneuerung durch eine zweite Stufe. In einer neuen Geburt werden wir geistliches Leben empfangen. In der zweiten Stufe geht es um die Verwandlung vom Menschenkind mit einem natürlichen Leben zu einem Gotteskind mit einem geistlichen Leben. Haben wir diese Beziehung im Glauben empfangen, festgehalten und ausgelebt, werden wir auch die dritte Stufe erfahren, das ewige Leben in einer neuen Welt, mit einem neuen Leib in ganz neuen Dimensionen. Das ist Gottes Plan. Er hat alles getan, dass dieser Plan sich in unserem Leben erfüllt. Nun liegt es an uns, ob wir die Beziehung wagen und uns Jesus anvertrauen. Gott wird uns also eines Tages fragen, was wir mit seiner Liebe und seinem Wort, seiner Einladung und seiner Versöhnung gemacht haben. Und nicht die werden ausgewiesen, die im Gefängnis gesessen und Fußmatten geflochten haben, sondern die, die seine Liebe ausgeschlagen und seine Vergebung nicht empfangen haben.

"Wir müssen alle offenbar werden vor dem Richterstuhl Christi, auf dass ein jeglicher empfange, wie er gehandelt hat bei Leibesleben, es sei gut oder böse!"

(2. Korinther 5,10)



Axel Kühner "Überlebensgeschichten für jeden Tag"
© & 1991 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 21. Auflage
2018
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages
Quelle: www.miriam-stiftung.de