Gedanken für den 05.04.2022

Die sieben Krüge voll Gold

Ein Barbier kam an einem verwunschenen Baum vorbei, als er eine Stimme hörte: "Möchtest du die sieben Krüge voll Gold haben?" Er blickte sich um und sah niemand. Aber seine Habgier war geweckt: "Ja, natürlich möchte ich sie haben!" - "Dann geh sofort nach Hause", sagte die Stimme, "dort wirst du sie vorfinden."
Der Barbier lief, so schnell er konnte, nach Hause. Und wirklich, dort waren die sieben Krüge voll Gold, außer einem, der nur halbvoll war. Der Barbier konnte jetzt den Gedanken nicht ertragen, dass ein Krug nur halbvoll war. Er war besessen von dem Wunsch, ihn zu füllen, sonst könnte er einfach nicht glücklich sein. Er ließ allen Familienschmuck einschmelzen und füllte ihn in den halbvollen Krug. Aber der Krug wurde nicht voll. Es war zum Verzweifeln. Er sparte und knauserte und hungerte sich und seine Familie fast zu Tode. Aber ohne Erfolg. Gleichgültig, wie viel er in den Krug hineintat, er wurde nicht voll. Also bat er den König, sein Gehalt zu verdoppeln. Der Krug verschlang jede Münze und blieb doch nur halbvoll. Der Barbier war früher mit seinem kleinen Gehalt so glücklich. Nun hatte er das doppelte Gehalt und die sieben Krüge voll Gold und wurde immer trauriger, verzweifelter und ärmer. Was sollte er nur machen? Geben Sie ihm doch einen guten Rat! (Nach einer alten Legende)

Es ist ein böses Übel, das sah ich unter der Sonne: Reichtum, wohl verwahrt, wird zum Schaden dem, der ihn hat!
Prediger 5,12




Axel Kühner "Eine gute Minute, 365 Impulse zum Leben"

© 1994 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 11. Auflage

2015

Mit freundlicher Genehmigung des Verlages

Quelle: www.miriam-stiftung.de