Gedanken für den 15.11.2021

Worte richtig verstehen

Ein Dorfschmied bekam einen Lehrling, der das schwere Handwerk erlernen wollte. Der Meister nahm den Jungen mit in seine Schmiede und erklärte ihm die Geräte und Arbeitsweise. Und dann ging es auch gleich an die erste Arbeit. Der Schmied erklärte seinem Lehrling: "Wenn ich das Eisen aus dem Feuer nehme, lege ich es auf den Amboss. Und sobald ich mit dem Kopf nicke, schlägst du mit deinem Hammer drauf!" Der Lehrling tat ganz genau, was er meinte, dass der Meister es gesagt hatte. Und der Dorfschmied nickte nie wieder.
Nimm Worte ganz wörtlich, hat mir einmal ein älterer Freund geraten. Ich habe das immer versucht, habe den Worten nachgedacht, ihrer Geschichte, Bedeutung und Wirkung nachgespürt. Gerade auch Gottes Wort, das Wort der Bibel sollte man wirklich wörtlich nehmen und in seinem ganzen Zuspruch und Anspruch wirken lassen. Aber man muss die Worte auch richtig im Zusammenhang verstehen. Sonst wird es tragische Missverständnisse geben. Die Geschichte der Bibelauslegung ist voll solcher Beispiele. Vom bloßen Wort her ist vieles als biblisch bezeichnet worden, weil es in der Bibel dem Wort nach vorkommt: der Krieg, die Sklaverei, die Unterdrückung der Frau, die Missachtung des Leibes, die Verachtung der Welt und die Verteufelung des Fortschritts.
Nimm Gottes Wort ganz wörtlich, aber versuche es im Zusammenhang der Bibel richtig zu verstehen.

Da öffnete er ihnen das Verständnis, sodass sie die Schrift verstanden.
Lukas 24,45

Da lief Philippus hin und hörte, dass er den Propheten Jesaja las, und fragte: Verstehst du auch, was du liest?
Apostelgeschichte 8,30




Axel Kühner "Zuversicht für jeden Tag"
© 2002 Neukirchener Verlagsgesellschaft mbH, Neukirchen-Vluyn, 7. Auflage
2017
Mit freundlicher Genehmigung des Verlages
Quelle: www.miriam-stiftung.de